Warum gut gemeint in der Pubertät oft nicht gut gemacht ist

Vor einigen Wochen hatte ich ein Coachinggespräch, das mich bis heute beschäftigt. Vielleicht gerade deshalb, weil ich mitten in den Vorbereitungen für meine nächste Pubertäts- und Medienkonsumwoche stecke. Weil es genau um diese leisen Momente geht, in denen wir als Eltern etwas gut meinen – und dennoch Entwicklung verhindern.

Eine wunderbare Mutter – nennen wir sie Monika – kam wegen ihres pubertierenden Sohnes zu mir. In der Schule wurde es knapp. Die Noten rutschten ab. Und er lehnte jede Hilfe ab. Vehement. Wütend. Laut. Dabei wollte sie ihn doch nur unterstützen.

Er warf ihr vor, sie würde ihm nichts zutrauen. Und irgendwann sagte sie diesen Satz:

„Warum macht er sich das Leben so schwer, wenn ich ihm doch wirklich gerne helfen würde?“

In diesem Satz lag so viel Liebe. Und gleichzeitig so viel Angst.

Der erste Aha-Moment

Wir sind im Gespräch nicht sofort wieder zu ihrem Sohn gegangen. Sondern zu ihr. Zu ihrer eigenen Schulzeit. Zu dem, was sie als Kind und Teenager erlebt hatte. Und irgendwann wurde sie ganz still.

„Meine Eltern haben mich kleingehalten.“ 😔

Kein Vorwurf.

Kein Groll.

Ein stilles Erkennen.

Sie erzählte, wie sehr ihre Eltern es gut gemeint hatten. Wie sehr sie versucht hatten, ihr Frust zu ersparen. Sie übernahmen Gespräche mit Lehrern. Sie trafen Entscheidungen für sie, „damit sie nichts falsch macht“. Sie beruhigten sofort, wenn Unsicherheit auftauchte. Alles aus Liebe. Alles mit dem Wunsch, sie glücklich zu machen. Und doch wurde ihr in diesem Moment klar: Was ihr gefehlt hatte, war nicht Nähe. Sondern Erfahrung. Die Erfahrung, selbst durch etwas Schwieriges zu gehen. Selbst Lösungen zu finden. Selbst zu scheitern – und wieder aufzustehen.

Die langfristige Wirkung von „gut gemeint“

Heute fällt es ihr schwer, für sich einzustehen. Sie vermeidet Konflikte. Sie zweifelt schnell an sich. Sie wartet oft auf Rückversicherung von außen. Nicht, weil sie unfähig ist. Sondern weil sie nie wirklich spüren durfte:

👉 Ich halte das aus.

👉 Ich traue mir das zu.

👉 Ich darf Fehler machen – und trotzdem wertvoll bleiben.

Der zweite Aha-Moment

Nach dieser Erkenntnis veränderte sich plötzlich etwas in ihrem Blick. „Ich glaube …“, sagte sie langsam, „ich mache gerade genau das Gleiche bei meinem Sohn.“ Sie merkte, dass sie eingreifen wollte, bevor es schwierig wird. Dass sie lösen wollte, bevor er scheitern kann. Und plötzlich verstand sie ihn. Er lehnt ihre Hilfe nicht ab, weil er sie zurückweist. Er lehnt sie ab, weil er genau das einfordert, was er für seine Entwicklung braucht: Die Möglichkeit, es selbst zu versuchen.

Warum Selbstwirksamkeit in der Pubertät entscheidend ist

Gerade in der Pubertät geht es nicht um perfekte Ergebnisse. Es geht um Identität. Jugendliche wollen erleben: Ich kann das. Ich komme da durch. Ich wachse daran. Selbstwirksamkeit entsteht nicht durch perfekte Begleitung. Sondern durch eigene Erfahrung. Und ja – das bedeutet manchmal Frust. Manchmal Tränen. Manchmal Umwege. Aber genau daraus entsteht innere Stärke.

Eine Szene mit meiner Tochter

In diesem Zusammenhang musste ich an eine Situation mit meiner damals 12-jährigen Tochter denken. 💛 Sie hatte zum ersten Mal für eine Schularbeit komplett allein gelernt. Ich habe mich bewusst zurückgenommen. Es fiel mir nicht leicht. Aber ich wusste: Sie braucht diese Erfahrung. Die Note war kein Sehr gut. Es war ein Befriedigend. Und trotzdem kam sie nach Hause, als wäre sie gewachsen.

„Das ist meine Note. Die habe ich ganz allein geschafft.“

Dieser Satz hat sich bei mir eingebrannt. Bei einem Sehr gut war sie sich früher nie ganz sicher gewesen, was wirklich ihr Anteil war. Aber dieses Befriedigend gehörte ihr. Und in diesem Moment wusste ich: Es geht nicht um Perfektion.

Es geht um dieses innere Gefühl: Ich habe es selbst geschafft.

Gut gemeint ist in der Pubertät oft nicht gut gemacht

Gerade in dieser Lebensphase geraten wir als Eltern in ein Spannungsfeld. Unsere Kinder sind im Umbruch. Sie sind verletzlich. Sie sind laut. Sie sind unsicher. Und das auszuhalten ist schwer. Also greifen wir ein. Wir erklären. Wir regeln. Wir wollen es leichter machen. Nicht aus Kontrolle. Sondern aus Liebe.

Und doch gilt: Gut gemeint ist in der Pubertät leider oft nicht gut gemacht.

Wenn wir es nicht aushalten, dass unser Teenager unglücklich ist, nehmen wir ihm möglicherweise die Chance, innere Stärke zu entwickeln. Nicht, weil wir zu wenig da sind. Sondern weil wir zu schnell lösen. Beziehungsorientierte Begleitung heißt nicht, wegzugehen. Aber sie heißt auch nicht, alles zu übernehmen.

Manchmal heißt sie:

  1. da zu bleiben
  2. zuzuhören
  3. Gefühle ernst zu nehmen
  4. auszuhalten, dass es gerade schwer ist

Warum ich diese Woche anbiete

Genau deshalb gibt es meine Pubertäts- und Medienkonsumwoche. Nicht, um Eltern zu korrigieren. Nicht, um Schuld zu verteilen. Sondern um verständlich zu machen:

  1. was im jugendlichen Gehirn passiert
  2. warum Autonomie so heftig eingefordert wird
  3. und wie wir begleiten können, ohne kleinzuhalten

Wenn dich diese Geschichte berührt hat, dann ist das kein Zufall. Vielleicht stehst du gerade genau an diesem Punkt: zwischen Helfen-Wollen und Loslassen-Müssen.

Die Pubertäts- und Medienkonsumwoche beginnt am 26.2.26.

Und wenn du dabei bist, bekommst du nicht nur Wissen. Sondern einen neuen Blick auf dein Kind.

👉 Hier findest du alle Infos und kannst dich anmelden: Hier für 0 € anmelden

Und wenn du beim Lesen an jemanden denken musstest, der genau das gerade hören sollte, dann teile diesen Artikel gerne. Manchmal beginnt Veränderung mit einem einzigen Aha-Moment.

Von Herzen

Ines 💛

Die kostenlose Pubertäts- und Medienkonsumwoche für Eltern ist wieder da!

Wenn du nicht live dabei sein kannst, dann melde dich trotzdem gerne an,
denn dann bekommst du die Aufzeichnungen in dein Postfach!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert